Erhaltungsschnitt Jeder Strauch und Baum baut sich so auf wie es seiner Natur entspricht. Er hat seine artgemäße Gestalt oder Habitus wie es der Gärtner nennt. Die muß erhalten bleiben ! Ziel des Erhaltungsschnittes ist es nicht "ordentliche" und gleichförmige Sträucher und Bäume zu schaffen. Sondern man soll nur regulierend und anregend eingreifen, um die Lebenskraft und die Gesundheit der Gehölze zu erhalten. Der Schnitt erreicht dieses Ziel, weil er zur ständigen Ersatzbildung für alternde und schlechte Triebe anregt. Um dem Habitus der Bäume gerecht zu werden, braucht es besondere Erfahrung. Wir müssen uns daher auf den Erhaltungsschnitt bei Sträuchern konzentrieren. Die Goldene Regel lautet: Du sollst keinen Zweig abschneiden, ohne zu wissen warum ! Nur auslichten und alte, überständige Äste herausschneiden, nicht zuviel schneiden ! Regelmäßig und behutsam schneiden ist besser als selten und radikal ! Allgemeine Schneideregeln beachten ! Die allgemeinen Schneideregeln sagen aus, daß die einjährigen Sprosse immer dicht über der Knospe geschnitten werden sollen. Zwei Extreme soll man vermeiden: Ist der Schitt zu weit von der Knospe, die ja im Frühjahr austreiben wird, entfernt, also irgendwo im Sproßglied ( = Internodium) plaziert, dann wird ein störender, zurücktrocknender Zapfen bleiben. Wird der Schnitt jedoch allzu dicht an der Knospe plaziert, dann wird sie austrocknen und absterben. Man soll versuchen auf Außenauge zu schneiden. Was heißt das ? Die Knospe, die man als End- oder Spitzenknospe stehen läßt, wird, wenn sie im Frühjahr austreibt, die Richtung bestimmen, in der der Zweig weiterwächst. In der Auswahl der Spitzenknospe steuert man also die weitere Wachstumsrichtung des Zweiges. Da man keine nach innen wachsenden Zweige haben will, sondern Äste, die nach außen und oben zum Licht hin wachsen, schneidet man eben "auf Außenauge". Man soll auf Astring schneiden. Früher hieß es, wenn der Meister seinen Hut durch die Krone wirft, darf er nicht an "Kleiderhaken" hängen bleiben. Klar, wird ein Ast abgeschnitten, darf kein Stumpf übrig bleiben. Doch auch das andere Extrem hat sich als falsch erwiesen. Man soll auch nicht so eng wie möglich am Stamm, quasi Stamm- parallel, sägen. Beide Extreme verhindern ein gutes Heilen der Wunde. Schaut man sich die Verzweigung eines Astes genau an, so sieht man dort eine Art Wulst, eine ringförmige Verdickung an der Basis. Dieser Wullst, man nennt ihn besser Astring, ist ideal geeignet, um eine Schnittwunde zu heilen zu lassen. Also läßt man den Astring stehen und schneidet darüber ab. Noch etwas dazu. Äste sind schwer. Sägt man gleich mit dem ersten Schnitt schön am Astring, passiert es oft, daß plötzlich und unerwartet der Ast abbricht. Dabei kann er leicht einen großen Fetzen Rinde vom Stamm mit hinunterreißen. Diese Wunde ist nicht mehr zu reparieren. Daher schneidet man in zwei Teilstücken ab. Erst den Ast weiter vom Stamm entfernt absägen, sodaß ein Einreißen den Stamm nicht treffen kann. Und danach wird der verbleibende Stumpf ohne Risiko ganz abgesägt. Hat man es nicht mit den dünnen, einjährigen Zweigen zu tun, sondern mit starken, mehrjährigen Ästen, dann schneidet man allerdings nicht mehr auf Außenauge, sondern man läßt einen Zugast stehen. Was ist ein Zugast ? Wenn man den starken Ast einfach abschneidet, welche Knospe oder welches der vielen schlafenden Augen oben an der Spitze soll dann den Leittrieb bilden ? Die vielen konkurrieren miteinander und es kann sich ein regelrechter "Besen" ausbilden. Das wollen wir nicht ! Also wählen wir einen Seitenzeig an der Spitze des abgeschnittenen Astes aus, der in die richtige Richtung weist, und lassen ihn allein als Zugast stehen. Er wird dann austreiben und mit seinem Laub das Wasser aus dem Holzteil sozusagen hochziehen ( daher Zugast ) und das Weiterwachsen bestimmen. Natürlich soll man so schneiden, daß die unvermeidlichen Wunden möglicht gut verheilen. Bei kleineren Wunden ist das meist kein Problem. Das durch die Wunde offen gelegte Holz trocknet einfach bis zum nächsten Knoten ein, es hat ja keine Funktion mehr. Man soll versuchen die Wundoberfläche möglichst klein zu halten, also keine schrägen Schnitte! Wunden, die kleiner als Fünfmarkstücke sind, braucht man auch nicht weiter zu behandeln. Vom Kambium ( wir erinnern: das Bildungsgewebe ) aus beginnt die Heilung. Das Kambium bildet ein Wundgewebe, den Kallus, aus, indem es beginnt zu wuchern und allmählich vom Rand her die Wunde schließt. Dies Zuschwellen oder Überwallen der Wundfläche geschieht mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 - 15 mm pro Jahr und ist in jedem Fall die beste Heilung. Denke daran, nur das Kambium ist in der Lage neue Zellen, also Kallus, zu bilden, eine Heilung von Holz aus gibt es nicht ! Bei größenen Wunden ist der Kallus nicht mehr in der Lage sie ganz und rechtzeitig zu schließen. Der Baum wird auch hier noch eine Reihe von Abwehrmaßnahmen einleiten, indem er etwa Harze ausscheidet oder Gerbsäuren einlagert, doch das Holz ist dem Angriff von Pilzen, Bakterien und Insekten ausgeliefert. Wir können die Kallusbildung hier wenigstens ünterstützen, indem wir die Wundränder nicht von der Säge ausgefranzt und unregelmäßig stehen lassen. Sondern sie mit der Hippe ordentlich glatt schneiden. Es wird empfohlen die größeren frischen Wunden vor einer Infektion zu schützen, indem man sie möglicht rasch mit einem Wundverschlußmittel behandelt. Dabei soll man nur solche Mittel anwenden, die das Prüfsiegel der Biologischen Bundesanstalt tragen. Schon von Alters her benutzte man zu dieser Wundpflege Baumwachse. Heute werden meist modernere Wundverschlußmittel genommen. Es gibt eine Vielzahl von Präparaten. Wird es nun Ernst und man steht vor dem Strauch mit dem Schneidewerkzeug in der Hand, dann soll man folgendermaßen vorgehen: 1.) Zunächst schaut man sich den Strauch gut an und macht sich klar, daß nicht mehr als 1/3 bis 1/2 der Zweige am Ende weggeschnitten sein sollen. 2.) Nun schneidet man erst abgestorbene, kranke, vertrocknete Äste raus. Dann nimmt man sich die vor, die nach innen rein wachsen, die überkreuzen und scheuern, die zu eng stehen. 3.) Ist dann noch Spielraum, nimmt man etwas vom alten Holz am Boden weg. Dies wird auch als Auslichten bezeichnet. Man erkennt das alte Holz daran, es ist dick, dunkler und mit rissiger Rinde. Dabei bitte die allgemeinen Schneideregeln beachten und dem Gehölz seine natürliche Gestalt erhalten.
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