Pflanzschnitt Dies ist eine Art des Gehölzschnittes, die - der Name sagt es - nur beim Ein- b.z.w. Umpflanzen in Frage kommt. Das Hauptproblem beim Umpflanzen besteht darin, daß die Gehölze beim Ausstechen in der Baumschule eines bedeutenden Teils ihrer Wurzel beraubt wurden. Und zwar wurden gerade die jungen, äußeren Wurzelteile vom Spaten abgestochen. Dort befinden sich die Haarwurzeln, also genau die feinverzweigten Teile der Wurzel mit denen die Pflanze das Wasser vom Boden aufnimmt. Durch das Auspflanzen wurde also zwangsläufig das Verhältnis von "unten" zu "oben" gestört. Das heißt, die oberirdischen Teile, die mit Wasser versorgt werden wollen, sind noch voll da, aber die entsprechende Wurzelmasse, welche dieses Wasser aus dem Boden aufnehmen müßte, fehlt. Man hört auch manchmal, das Gleichgewicht von Wurzel und Krone sei gestört. Ganz besonders schlimm ist das bei Pflanzen, die ohne Ballen geliefert werden. Sie wurden gerodet, der Wurzelerdballen ausgeschüttelt, oft verbrachten sie noch eine Zeit im Kühlhaus oder im Einschlag und nur noch ein geringer Teil der ursprünglichen Wurzel ist funktionsfähig. Auch wenn die Gehölze falsch gelagert oder transportiert wurden, z. B. ohne Abdeckung auf der Ladefläche durch die Gegend gefahren worden sind, ist die Wurzel stark beeinträchtigt. Und solches Wurzelwerk kann unmöglich die alte, uneingeschränkte Menge von Ästen und Zweigen oben versorgen. Weit weniger stark geschädigt ist die Wurzel bei Ballenware. Das sind Pflanzen, die mit ihrem Erdballen ausgestochen, balliert und geliefert werden. Besonders wenn es sich um Qualitätsballen handelt, und nicht um sog. Kunstballen. Ganz und gar intakte Wurzelballen haben die Containerpflanzen. Von Jugend an wurden sie in Töpfen, den Containern, gezogen und alle Wurzeln haben sich ohne Störung in ihrem Behälter bilden können. Diese können fast das ganze Jahr über gepflanzt werden und brauchen auch keinen Pflanzschnitt. Also bei Sträuchern und Bäumen mit Ballen eher weniger schneiden, etwas auslichten und einkürzen, denn je stärker das Wurzelwerk erhalten ist, desto schwächer der Rückschnitt. Bei Pflanzen ohne oder mit geschädigtem Ballen aber müssen wir einen kräftigen Pflanzschnitt wagen. Dabei beginnt der Pflanzschnitt beim Wurzelwerk. Man erkennt eingerissene, gequetschte oder ausgefranste Wurzeln. Die werden am besten mit der Hippe bis ins gesunde Gewebe zurückgeschnitten. Denn Bildung und Neuaufbau der Wurzeln geschieht besser von einem frischen, sauber geschnittenen Stück aus, als von Wurzelruinen. Wenn ganze Büschel von vertrockneten Kleinwurzeln noch da sind, schneidet man die besser auch ab. Dies nennt man den Wurzelschnitt. Ziel des oberirdischen Pflanzschnittes ist es, das Gleichgewicht zwischen Oben und Unten wieder herzustellen und für einen gesunden Neuaufbau zu sorgen. Den letzten Teil muß man eigentlich als Erziehungsschnitt bezeichnen. Je kleiner und schlechter die Wurzeln sind, desto schärfer muß der Rückschnitt auch oben sein. Zwischen 25 % und 50% können weggenommen werden. Verzichtete man auf diesen Rückschnitt, könnten die geschädigten Wurzeln das ganze Astwerk nicht mit Wasser versorgen. Viele Äste würden eintrocknen, die Entwicklung würde im Endeffekt sehr verzögert. Ist jedoch ein vernünftiger Pflanzschnitt durchgeführt worden, können die verbliebenen Äste wenigstens versorgt werden. Und so baut sich das Gehölz schneller wieder auf. Auch wenn man als Anfänger davor zurückschreckt, den "armen Pflanzen" soviel weg zuschneiden, zeigt die Erfahrung eindeutig, daß der Pflanzschnitt unbedingt nötig ist.
|